Der von Rundfunkbeiträgen der Bürger finanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunk soll sparen. Denn trotz hoher Einnahmen sind die Ausgaben oft höher. Sendungen werden deshalb eingestellt oder gekürzt. Doch nun sorgt eine Einigung des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) mit den Gewerkschaften für Aufmerksamkeit: Der MDR will freie Mitarbeiter, die wegen des Sparkurses weniger oder keine Aufträge mehr erhalten, mit einer üppigen Ausgleichssonderzahlung absichern.
Nach der Tarif-Info der Gewerkschaften DJV, ver.di und unisono gilt der Mechanismus für Freie, die von den im Mai verkündeten Sparmaßnahmen bei „Mittagsmagazin“ und „MDR um 2“ besonders betroffen sind.
Wer zwischen April 2026 und März 2027 „Honorareinbußen“ erleidet, soll eine Ausgleichssonderzahlung erhalten. Grundlage ist das Einkommen des Jahres 2025.
Je nach Dauer der bisherigen Tätigkeit sollen bis zu 90 Prozent der Bezüge ausgeglichen werden. Konkret: Freie Mitarbeiter, die mehr als 20 Jahre für den MDR gearbeitet haben, erhalten 90 Prozent der Bezüge von 2025. Wer zehn bis 19 Jahre für den ARD-Sender gearbeitet hat, bekommt 85 Prozent. Diejenigen mit weniger als zehn Jahren Beschäftigung erhalten noch 80 Prozent der Bezüge.
Bezahlung fürs Nichtstun
Beim Sender fließen die Zahlungen auch dann, wenn die sogenannten „Freien“ wegen gestrichener oder reduzierter Sendungen gar nicht oder deutlich weniger eingesetzt werden. „FAZ“ und „Bild“ schreiben von der Bezahlung fürs „Nichtstun“.
Brisant ist die Regelung vor allem, weil der MDR eigentlich sparen muss und überwiegend aus Rundfunkbeiträgen finanziert wird. Für 2024 weist der Sender einen Fehlbetrag von 44 Millionen Euro aus. Die Erträge lagen bei 774 Millionen Euro, die Aufwendungen summierten sich nach MDR-Angaben jedoch auf 818 Millionen Euro. Der MDR-Staatsvertrag verpflichtet den Sender bei seiner Wirtschaftsführung zu Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit. Deshalb soll es jetzt eine dreijährige Zwangspause für neue „Tatort“- und „Polizeiruf 110“-Produktionen geben.
Ex-ARD-Redakteur Alexander Teske erklärt in „Bild“, es sei kein Zufall, dass der MDR ausgerechnet bei den Favoriten des Publikums spart: „Ziel der Verantwortlichen ist es, einen größtmöglichen Proteststurm der Zuschauer zu entfachen, der sich gegen die Politik richtet, welche der Forderung nach höheren Gebühren bislang nicht nachkommt. Dabei gäbe es zahlreiche Einsparmöglichkeiten, die die Sender aus Eigeninteresse aber nicht nutzen.“
Endgültig ist die Einigung offenbar noch nicht. In der Tarif-Info heißt es, das Ergebnis stehe unter dem Vorbehalt der Zustimmung der jeweiligen Gremien. Ein MDR-Sprecher beantwortete eine Anfrage nach den rechtlichen Grundlagen für die Einigung zunächst nicht. Laut „FAZ“ hat der Intendant der Regelung bereits zugestimmt. Wie viel die Ausgleichssonderzahlung den Sender insgesamt kosten würde, geht aus den Quellen nicht hervor.