Berlin – Die schwer angeschlagene FDP will Steuerentlastungen wieder zum Kernthema machen. Parteivize Henning Höne (39) schlägt dabei einen radikalen Plan vor: Künftig soll es nur noch einen einzigen Steuersatz geben (Flat Tax)! Der bisherige Steuertarif, der mit höherem Einkommen ebenfalls ansteigt, soll ersetzt werden.
„Deutschland braucht die Flat Tax. Es gibt nur noch einen Steuersatz“, so Höne zu BILD. Dieser Steuersatz solle erst ab einem Bruttoeinkommen von 30.000 Euro gelten (entspricht 2500 Euro/Monat). Heißt: Jeder Verdienst darunter ist für jeden steuerfrei. Steuern werden erst auf alle Verdienste über 30.000 Euro erhoben.
Aktuell liegt diese Grenze bei 12.348 Euro/Jahr (entspricht 1029 Euro/Monat). Wie hoch der Flattax-Satz ausfallen soll, sagte Höne nicht.
Im Gegenzug will der FDP-Politiker alle Steuervergünstigungen wie Pendlerpauschale und Werbungskostenpauschale streichen. „Wir brauchen ein einfaches, niedriges und gerechtes Steuersystem“, so der FDP-Vize zu BILD: „Das Steuersystem muss den Bürgerinnen und Bürgern und nicht Lars Klingbeil dienen.“
Eine große Debatte über eine Flat Tax gab es erstmals 2005. Damals forderte der Verfassungsrichter Paul Kirchhof (83) im Wahlkampfteam von Angela Merkel (71, CDU) einen einheitlichen Steuersatz von 25 Prozent. Im Gegenzug sollten ebenfalls alle Steuerprivilegien und Ausnahmen abgeschafft werden.
Der Vorstoß von Höne platzt mitten in die Beratungen der schwarz-roten Koalition. An diesem Wochenende kommen die Spitzen im Kanzleramt zusammen. Dabei geht es u.a. um die für 2027 angekündigte Steuerreform.
Laut Berechnungen des Bundes der Steuerzahler (BdSt) könnte eine Flat Tax Arbeitnehmer um bis zu 2000 Euro pro Monat entlasten. Zugleich hätte der Staat deutlich weniger Steuereinnahmen. Bei einem Einheitssatz von 35 Prozent wären es laut BdSt rund 150 Milliarden Euro.
Verbandspräsident Reiner Holznagel (50) sagte zu BILD, Steuerpläne müssten realistisch sein. Außerdem sei bei kleinen und mittleren Einkommen die Entlastung bei den Sozialbeiträgen (Rente, Gesundheit etc.) genauso wichtig.