Winterthur (Schweiz) â Die Menschen wollten gerade zur Arbeit, eine Schulklasse mit Kindern stand am Gleis. Dann zog ein Mann mitten am Bahnhof Winterthur plötzlich ein Messer und stach wahllos auf die Passanten ein. Nach dem Angriff mit drei zum Teil schwer Verletzten in der Schweiz ist mittlerweile klar: Die Tat war ein Terroranschlag!
Wie die Polizei auf einer Pressekonferenz am Donnerstagabend erklĂ€rte, habe sich der spĂ€ter festgenommene Nesip D. (31) in der Vergangenheit zunehmend radikalisiert â und das nicht einmal unbemerkt. Bereits seit 2015 wussten die Behörden von seiner NĂ€he zu ISIS.
Polizei: âSolche Leute sollen das Land verlassenâ
Der 31-JĂ€hrige, der sowohl die tĂŒrkische als auch die schweizerische StaatsbĂŒrgerschaft hat, soll im Netz die Propaganda der Terrororganisation aufgesaugt haben. Nach Recherchen des Senders SFR seien ihm auch 2018 von einer mittlerweile geschlossenen Moschee gewaltverbreitende Liedtexte und Videos geschickt worden.
Die Einstufung der Tat am Donnerstag sei fĂŒr die Ermittler deshalb klar: âDas war ein ĂŒbler Terrorakt!â, sagte der Sicherheitsdirektor des Kantons ZĂŒrich, Mario Fehr. Und: âWir wollen, dass solche Leute das Land verlassen!â
Arzt diagnostizierte ihn als ungefÀhrlich
Nach Angaben der Behörden hatte der Terrorist 2024 zunĂ€chst die Schweiz in seine Heimat TĂŒrkei verlassen. âDann ist er fĂŒr zwei Jahre von der BildflĂ€che verschwundenâ, hieĂ es. Nach einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik, in der ein Arzt diagnostizierte, dass keine Gefahr von dem Mann ausginge, tauchte er am Donnerstagmorgen am Bahnhof in Winterthur nahe der deutschen Grenze auf. Bewaffnet und entschlossen, zu töten.
Er verletzte drei MĂ€nner (28, 43, 52), einen davon schwer. Der 52-JĂ€hrige musste durch eine Not-OP gerettet werden. Eine Lehrerin hatte sich schĂŒtzend vor die Schulklasse gestellt. Kurze Zeit spĂ€ter konnte Nesip D. ĂŒberwĂ€ltigt und festgenommen werden.
Dass nicht mehr Menschen verletzt wurden, scheint auch ein wenig GlĂŒck gewesen zu sein: âBei der Tat ist die Klinge abgebrochenâ, erklĂ€rte Marius Weyermann von der Kantonspolizei ZĂŒrich.
TĂ€ter soll StaatsbĂŒrgerschaft entzogen werden
Angesichts der Radikalisierung des VerdĂ€chtigen fordert der ZĂŒrcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr harte politische Konsequenzen fĂŒr den Mann, der 2009 in Winterthur eingebĂŒrgert worden war. Er möchte ihm die Schweizer StaatsbĂŒrgerschaft entziehen und ihn in die TĂŒrkei abschieben.
âWir wollen solche Leute nicht hier haben. Bei schweren Verbrechen und Terrorismus kann das BĂŒrgerrecht entzogen werdenâ, betonte der Regierungsrat.