Neue Autos, altes Dilemma? Beim Formel-1-Klassiker in Monaco könnten Überholmanöver trotz der jüngsten Regel-Revolution wieder eine Seltenheit werden! In den engen Straßen des Fürstentums geht es beim Grand Prix am Sonntag (15 Uhr) für die meisten Fahrer wieder darum, die Dominanz von Mercedes zu brechen. Die Favoritenrolle schob Mercedes vor dem Traditionsrennen aber der Scuderia zu. „Ferrari wird das Team sein, das es in Monaco zu schlagen gilt“, sagte „Silberpfeil“-Ass Kimi Antonelli nach seinem Sieg in Montreal vor zwei Wochen.
Lokalmatador Charles Leclerc hofft jedenfalls darauf, seinen neuen „langfristigen“ Ferrari-Vertrag mit einem Heimsieg krönen zu können. Der Monegasse kennt die Gassen im Fürstentum seit seiner Kindheit, stand in den vergangenen fünf Jahren dreimal auf der in Monaco so wichtigen Poleposition, triumphierte 2024 und wurde im Vorjahr Zweiter. Teamkollege Lewis Hamilton will nach seinem zweiten Platz in Kanada, dem besten Resultat seit seinem Wechsel zu Ferrari im Vorjahr, am Aufwärtstrend festhalten und seinen drei Siegen im Fürstentum einen weiteren hinzufügen.
Der langsame Stadtkurs kommt dem Ferrari jedenfalls entgegen, das Rennen könnte sich wie schon oft in der Vergangenheit schon am Samstag im Qualifying entscheiden. „Mit dieser neuen Generation kleinerer und wendiger Autos dürfte die Herausforderung noch größer sein. Um am Sonntag eine Chance auf den Sieg zu haben, muss man am Samstag gut abschneiden“, erklärte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Die zwei verpflichtenden Boxenstopps, die im Vorjahr für einen spannenderen Rennverlauf sorgen sollten, wurden heuer wieder abgeschafft. Alles deutet daher wieder auf eine Ein-Stopp-Strategie hin.
Wolff sieht offenes Rennen – auch bei Mercedes
Ob durch die leichteren Boliden in Monte Carlo auch leichter überholt werden kann, bleibt abzuwarten. Wolff erwartet jedenfalls ein offenes Rennen. „Es wird ein beeindruckendes Spektakel, auf das wir uns sehr freuen. Wir gehen jedoch unvoreingenommen in das Wochenende. Ein Auto, das anderswo konkurrenzfähig war, muss hier nicht unbedingt stark sein.“
Auch im Stallduell zwischen Antonelli und George Russell sieht der Wiener noch alles offen. Allerdings soll das interne Duell in Monaco nicht so eskalieren wie in Kanada, als die beiden Mercedes-Piloten mehrfach aneinander gerieten. „Sie wissen, wo die Grenze ist“, glaubt Wolff, der verhindern will, dass sich der „Krieg der Sterne“ wie zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg wiederholt. „Wir wollen so ein Szenario nicht wiederholen“, meinte Antonelli und versprach einen fairen Kampf.
In Montreal wurde die „faire Linie“ aber beinahe überschritten. Der Teenager gab danach zu, womöglich übers Ziel hinausgeschossen zu sein. In Monaco gibt es dafür wenig bis gar keinen Spielraum. Russell, der momentan im Hintertreffen ist, machte jedenfalls eine Kampfansage und hofft auf mehr Glück. In Kanada hatte der 28-Jährige nach Batterieproblemen aufgeben müssen. „Ich habe nichts mehr zu verlieren, der Druck ist weg“, meinte Russell angesichts seines Rückstandes auf Antonelli.
Tausender für McLaren
McLaren zelebriert in Monaco unterdessen den 1000. Start bei einem Grand Prix – diesen Meilenstein hat in der Formel 1 bisher nur Ferrari erreicht. Der traditionsreiche britische Rennstall mit Champions wie Niki Lauda, Alain Prost, Ayrton Senna oder Hamilton kann auf 13 Fahrer- und zehn Konstrukteurstitel – jeweils zuletzt im Vorjahr – sowie 203 Rennsiege zurückblicken. „Unser Team arbeitet wirklich gut zusammen. Wir sind sehr stabil“, sagte McLaren-CEO Zak Brown, der vor zehn Jahren bei dem damals kriselnden Team angeheuert hatte und es wieder ganz nach oben führte.
Für Weltmeister Lando Norris, der im Vorjahr an der Cote d‘Azur triumphiert hatte, und Oscar Piastri lief es allerdings heuer bisher noch nicht nach Wunsch. Beim Kanada-GP ging das Duo gar leer aus. Noch schlimmer hat es durch die gravierenden Regeländerungen Red Bull Racing samt Toppilot Max Verstappen getroffen, der Rennstall ist hinter Mercedes, Ferrari und McLaren derzeit nur vierte WM-Kraft.