Man wĂŒrde den republikanischen Mitgliedern des US-Kongresses ja gerne raten, den Ententest anzuwenden: Wenn es aussieht wie eine Ente, schwimmt wie eine Ente und quakt wie eine Ente, dann ist es wahrscheinlich eine Ente. Auf das, was die US-Regierung im Iran seit vier Wochen durchfĂŒhrt, ĂŒbertragen, könnte man sagen: Es sieht aus wie ein Krieg, fĂŒhlt sich an wie Krieg und hat globale Folgen wie ein Krieg, also ist es wahrscheinlich auch ein Krieg.
WĂŒrde der US-Kongress zu dieser Erkenntnis kommen, wĂ€re der logische nĂ€chste Schritt, dass er endlich seine verfassungsrechtliche Rolle aktiv wahrnimmt: Er mĂŒsste die Zustimmung zu Feindseligkeiten ausdrĂŒcklich erteilen und damit auf ein bestimmtes Ziel begrenzen oder sie ausdrĂŒcklich untersagen. So ist es im War Powers Act von 1973 geregelt â und genau das ist bisher nicht passiert.
Resolutionen, mit denen der Iraneinsatz gestoppt werden sollte, sind zwar im Senat sowie im ReprÀsentantenhaus eingebracht worden. Aber in beiden Kammern sind entsprechende Initiativen an der Mehrheit der Republikaner gescheitert.
Dabei sind die Bedenken ĂŒber die BegrĂŒndungen und das AusmaĂ der Operation durchaus auch im konservativen Lager vorhanden. Bislang wollen zwar die wenigsten so weit gehen, dem PrĂ€sidenten den Krieg zu verbieten oder sein Handeln einzuschrĂ€nken. Doch die Not, das alles irgendwie den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern im Wahlkreis zu erklĂ€ren, ist groĂ. Denn die sind mehrheitlich davon ĂŒberzeugt, dass die Regierung bei diesem Krieg zu weit geht. Selbst ein Viertel der republikanischen AnhĂ€nger sieht das Umfragen zufolge so.
Eine republikanische Senatorin erwÀgt eine Abstimmung
Die Senatorin Lisa Murkowski zÀhlt zu jenen wenigen verbliebenen Republikanern im Kongress, die immer mal wieder Kritik an Trump wagen und damit drohen, im Zweifelsfall mit den Demokraten zu stimmen. HÀufig bleibt es bei der Drohung, und meist löst sie damit nicht mehr als ein paar Schlagzeilen aus. Aber die Mehrheiten im Kongress sind knapp. Auch daher wird genau beobachtet, wie potenzielle Abweichler wie Murkowski sich verhalten.
Am Ende der vergangenen Woche berichteten US-Medien, dass die Senatorin aus Alaska an einer Authorization for Use of Military Force (AUMF) arbeite, einer formellen ErmĂ€chtigung zum Einsatz militĂ€rischer Gewalt im Iran. Was auf den ersten Blick so aussieht, als ob sie der Regierung damit einen Gefallen tut, ist bei nĂ€herem Hinsehen durchaus eine heikle Angelegenheit. Denn damit mĂŒsste der Kongress erstmals seit Beginn der Kampfhandlungen darĂŒber abstimmen, ob dieser Einsatz genehmigt werden soll. Auch Murkowskis Parteifreunde wĂ€ren so gezwungen, sich öffentlich zu positionieren: Sie mĂŒssten Trump die ausdrĂŒckliche Erlaubnis erteilen, die Kampfhandlungen fortzusetzen, wenn sie verhindern wollen, dass die Demokraten hier einen Sieg einfahren. Und die Regierung sĂ€he sich genötigt, mehr ĂŒber ihre Ziele preiszugeben â oder sich ĂŒberhaupt einmal auf solche festzulegen.
Sie wisse nicht, was sie sonst noch tun solle, sagte Murkowski zur BegrĂŒndung. "Dieser PrĂ€sident trat sein Amt mit dem Versprechen an, er werde der FriedensprĂ€sident sein", erklĂ€rte sie in der . "Wie oft hat er gesagt: 'Wir mögen diese langen Kriege, diese endlosen Kriege nicht'? Die Leute fragen mich: 'Ist es das, worauf wir zusteuern?' Und ich kann ihnen ehrlich gesagt keine Antwort geben, weil ich diese Antwort nicht kenne."