Main news

Zum Tod von Georg Koch (54): Unser letztes Telefonat am Dienstag war wie immer

TTS-Player ĂŒberspringen↔Artikel weiterlesen

Als ich am Mittwoch um 17.17 Uhr die schreckliche Nachricht von seiner LebensgefÀhrtin Danny am Handy bekam, dass Georg Koch (54) verstorben ist, schossen mir sofort die TrÀnen in die Augen!

Keine 24 Stunden vor der schrecklichen Todesnachricht, hatte ich mit „Schorsch,“ wie ihn seine Freunde genannt haben, noch 47 Minuten lang telefoniert – und es war eigentlich wie immer: Wir haben viel gelacht, ĂŒber Fußball gefachsimpelt und natĂŒrlich ĂŒber unsere große gemeinsame Liebe gesprochen – Fortuna DĂŒsseldorf.

Vor 35 Jahren habe ich Kult-Keeper Georg Koch – damals noch als junger Fortuna-Reporter – kennen und schĂ€tzen gelernt.

Was mir an ihm fast noch mehr als sein unfassbares Talent imponiert hat: Koch, der in meinen Augen alle FĂ€higkeiten hatte, um auch NationaltorhĂŒter zu werden, war immer geradeheraus und ehrlich. Haltung statt GleichgĂŒltigkeit. Zur Not bis ĂŒber die Schmerzgrenze hinaus.

Wenn ich in seinen Augen zu kritisch ĂŒber Fortuna oder ihn selbst berichtet hatte, konnte er richtig sauer werden und am Handy oder im persönlichen Vier-Augen-GesprĂ€ch wurde es laut: „Was hast du denn da fĂŒr einen Scheiß geschrieben. Hast du noch alle Tassen im Schrank
?"

Ein Original mit Ecken und Kanten

Das Gute nach der Eskalation: Koch war nie nachtragend. Immer Profi. Im Laufe der Jahre ist aus einem ArbeitsverhĂ€ltnis so eine enge Freundschaft zwischen uns entstanden. Die Basis: viel Vertrauen. Egal, ob bei seinen Stationen in Eindhoven, Bielefeld, Kaiserslautern, Cottbus, Duisburg, Zagreb oder Wien – der Kontakt zu ihm ist nie abgebrochen. Immer haben wir uns ausgetauscht und auch rein private Dinge vertrauensvoll besprochen.

Nie vergessen werde ich, wie DĂŒsseldorfs damaliger Kult-Trainer Aleksandar Ristic (81) in den 90er Jahren Koch wĂ€hrend einer Trainingseinheit die Rote Karte zeigte und Koch den kauzigen Coach auf dem Platz noch fragte: „Trainer, wie lange bin ich denn gesperrt?

Bei der nÀchsten Trainingseinheit durfte Koch wahrhaftig nicht mit der Mannschaft trainieren, musste stattdessen alleine Runden um den Platz drehen 


Bei weitem nicht die einzige Geschichte, ĂŒber die wir immer wieder in all den Jahren gelacht haben.

Kampf wie ein Löwe

Vor drei Jahren teilte er mir dann die niederschmetternde Krebs-Diagnose mit. NatĂŒrlich im ureigenen Schorsch-Sprech: „Jörg, lass uns zeitnah noch einmal ein großes Interview machen. Ich habe BauchspeicheldrĂŒsen-Krebs, will aber offen ĂŒber meine Krankheit sprechen, um auch anderen Betroffenen und deren Angehörigen Mut zu machen. Aber beeile dich – die Ärzte haben mir gesagt, dass ich schon bald den Löffel abgeben könnte!“ Typisch Schorsch!

Drei Jahre hat er gegen die Krankheit wie ein Löwe gekĂ€mpft. Immer, wenn ich ihn gefragt habe, wie es ihm geht, kam dieselbe Antwort: „Du weißt, dass ich kein Typ bin, der jemals jammern wird. Das war noch nie mein Ding. Ich bin dem lieben Gott sehr dankbar, habe im Fußball fast alles erlebt und mit den Menschen an meiner Seite bin ich sehr glĂŒcklich."

Am Mittwoch ist fĂŒr mich einer der besten und ehrlichsten Menschen, die ich jemals im ĂŒberhitzten FußballgeschĂ€ft kennenlernen durfte, von uns gegangen. Die Startelf im Himmel kann sich freuen: So einen charakterstarken Torwart haben sie dort noch nie gehabt! Mach‘s gut Schorsch, ich werde Dich immer in meinem Herzen tragen.

You may have missed