Kapstadt – Ein Land hält den Atem an! Tausende Menschen sind allein am Dienstag in Südafrika auf die Straße gegangen, um gegen illegale Einwanderung zu protestieren. Die Polizei fuhr landesweit ein Großaufgebot auf – aus Angst, dass die Stimmung endgültig kippt. Und tatsächlich: Einzelne Banden ziehen von Haustür zu Haustür, um Migranten aus dem Land zu jagen.
Als Afrikas am stärksten industrialisierte Volkswirtschaft ist Südafrika seit Langem ein wichtiges Ziel für Migranten aus dem gesamten Kontinent. Laut UN geht es um 2,86 Millionen Flüchtlinge. Die Demonstranten heizen mit nicht nachweisbaren Zahlen von 10 bis 20 Millionen illegalen Flüchtlingen die Unruhen an und machen die Migranten für die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme verantwortlich.
In Johannesburg marschierten deshalb Demonstranten mit traditionellen Kampfstöcken durch die Straßen. Frauen, Männer, Fahnen und wütende Parolen bestimmten das Bild. Auf Plakaten stand: „Südafrika soll aus der UN-Flüchtlingskonvention austreten“, „Die Zukunft unserer Kinder“ oder „80 Prozent der in der Provinz Limpopo geborenen Kinder stammen von Ausländern“.
Hinter den Protesten stehen die fremdenfeindliche Bewegung „March and March“ und die rechte Bürgerwehr „Operation Dudula“. Diese Gruppen hatten Menschen ohne gültige Aufenthaltspapiere ein Ultimatum gestellt: Bis zum 30. Juni sollten sie das Land verlassen. Andernfalls, so die Drohung, werde Südafrika lahmgelegt.
Während Tausende protestierten, packten viele Migranten aus Angst ihre Koffer. Simbabwe, Malawi, Nigeria, Ghana, Mosambik und Uganda boten ihren Staatsangehörigen freiwillige Rückführungen an. In vielen Vierteln blieben Geschäfte geschlossen, weil Anwohner Ausschreitungen befürchteten. In Durban versammelten sich nach Medienberichten rund 5000 Demonstranten – viele trotz Verbots mit Kampfstöcken und Peitschen bewaffnet.
Präsident Cyril Ramaphosa (73) rief zur Besonnenheit auf. Demonstrationen seien vom Recht auf Versammlungsfreiheit gedeckt, müssten aber friedlich bleiben. Zugleich warnte er davor, Einwanderer zum Sündenbock zu machen. „Illegale Einwanderung ist nicht die Ursache unserer sozialen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten“, sagte Ramaphosa.
Nach Angaben der Behörden wurden im Zusammenhang mit den aktuellen Protesten bereits vier Menschen getötet, rund 25.000 vertrieben.