Berlin - Er interessiert sich für DAS, was noch gar nicht existiert. Er denkt die Gedanken, die noch gar nicht gefasst sind. Denn wenn alle in dieselbe Richtung laufen, entsteht selten etwas NEUES. Für seine beachtlichen Erfolge in der digitalen Transformation wurde Paypal-Mitgründer, Investor und Vordenker Peter Thiel jetzt mit dem Axel Springer Award 2026 ausgezeichnet.
Neben seinem unternehmerischen Wirken präge Peter Thiel die öffentliche Debatte über Innovation, Freiheit und die Zukunft westlicher Gesellschaften, hieß es in der Begründung. Wegen seiner Thesen wird Thiel auch angegriffen und diskreditiert – und so stand dieser Abend besonders für Meinungsfreiheit und eine offene Diskussionskultur. „Ich bin für Demokratie und Wahlen“, räumte Thiel mit der Auffassung auf, er sei ein „Anti-Demokrat“.
Der Abend: feierlich UND politisch.
Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer betonte, dass Thiel uns daran erinnere, „dass Fortschritt Mut und Nonkonformismus voraussetzt“ und stellte Thiel als einen der „prägendsten Deutschen unserer Zeit“ heraus. OpenAI-CEO Sam Altman, der den Preis im Vorjahr erhalten hatte, gratulierte Thiel per Videobotschaft: „Peter hat Ideen, die niemand anderes hat“. Auch Schachweltmeister Garri Kasparow wurde zugeschaltet und Palantir-Co-Gründer Alex Karp (studierte bei Habermas in Frankfurt) erinnerte sich an das erste Treffen mit Thiel an der Universität Stanford: „Er war der erste Mensch, der alles verstand. Er war der Hauptgrund dafür, dass ich später in Deutschland studierte. Niemand verdient diesen Preis mehr als Peter. Sein Herz schlägt immer noch deutsch.“
Paypal-Partner Max Levchin, der 1991 aufgrund von Antisemitismus aus der Ukraine in die USA geflohen war, erinnerte zusammen mit Thiel an die Anfänge im Silicon Valley, blickte aber auch besorgt in die heutige Zeit: „Der moderne Antisemitismus fühlt sich sehr viel gefährlicher an. Heute gibt es ausgearbeitete ideologische Vorstellungen über Juden, bewusst und aktiv.“
Mut und Integrität
Auf die Frage, welchen wichtigen Wert Levchin und Thiel ihren Kindern in Zeiten der unbegrenzten Möglichkeiten, aber auch großer Unsicherheit mitgeben wollen, antwortete Thiel: „Integrität“ und Levchin: „Mut“.
Als besondere Überraschung bekam Thiel eine Hardcover-Erstausgabe von Tolkiens „Unfinished Tales“ aus dem Jahr 1980 überreicht. Schach, Fantasy und Science-Fiction – Thiels Welt, seit er ein Kind war. Tolkiens „Der Herr der Ringe“ hat er mehr als 10-mal gelesen! Der Firmenname Palantir stammt aus der Tolkien-Fantasie: Palantíri sind magische „sehende Steine“, mit denen Informationen über große Entfernungen ausgetauscht werden können.