Kultur

Von den Beatles bis zu Michael Jackson – die vergessenen Debütalben der großen Stars

Von den Beatles bis zu Michael Jackson – die vergessenen Debütalben der großen Stars

Die Geschichte großer Musiker wird meistens rückwärts erzählt. Im Mittelpunkt stehen die Meisterwerke, die Welthits und die Momente, in denen talentierte Künstler zu Ikonen wurden. Ihre Anfänge geraten dabei manchmal in Vergessenheit. Zu Unrecht. Denn nirgendwo lässt sich besser beobachten, wie ein Künstler seinen eigenen Sound sucht, Einflüsse ausprobiert und manchmal erst über das Scheitern zu jener Identität findet, die ihn später unsterblich macht. Wir stellen 16 vergessene Debütalben vor, die es sich lohnt, noch einmal wiederzuentdecken.

The Beatles: „The Beatles’ First“ (1961/1962/1964)

175 Mark verdiente jeder der vier Beatles täglich in der Aula des Friedrich-Ebert-Gymnasiums in Hamburg-Harburg am 22. und 23. Juni 1961. In der Nacht zuvor hatten sie noch bis drei Uhr früh im Top Ten Club gespielt, gemeinsam mit dem Sänger Tony Sheridan. Die Schulbühne war von Bert Kaempfert in ein Tonstudio verwandelt worden. Der deutsche Orchesterleiter plante eine Platte mit dem Star der Reeperbahn, mit Sheridan, und seiner Band. Er nannte sie The Beat Brothers.

John Lennon, Paul McCartney, Pete Best und George Harrison nahmen mit Sheridan Shantys und Standards wie „My Bonnie“, „When the Saints Go Marching In“ und „Ain’t She Sweet“ auf, letzteres gesungen von John Lennon. 1962 kehrten sie zurück nach Hamburg. Am 24. Mai fanden sie sich im Studio Rahlstedt ein und spielten wiederum mit Tony Sheridan unter der Aufsicht von Bert Kaempfert „Swanee River“ und „Sweet Georgia Brown“ ein. 1964, auf dem Höhepunkt der Beatlemania, erschien das Album aller Aufnahmen als „Beatles’ First“, als erstes Album, wenige Wochen vor „A Hard Day’s Night“, dem dritten offiziellen. (mp)

Frank Zappa: „Cucamonga“ (1964/1998)

„Freak Out!“ war zwar 1966 das Debüt der Mothers of Invention. Eine wüste Orgie auf einem der ersten Doppelalben überhaupt, mit musikalischen Absurditäten wie dem zwölfminütigen „Return of the Son of Monster Magnet (Unfinished Ballet in Two Tableaux)“, aber auch schönen Melodien. Frank Zappa hatte damals schon einige Leben hinter sich als Musiker und Komponist. Bereits als Schüler gab er in einer Talentshow ein Konzert für Fahrradpumpe und Fahrrad zum Besten. Zappa spielte alles, vor allem aber Gitarre. Inspirieren ließ er sich vom Blues und von Edgar Varèse.

1963/64 nahm er in einem winzigen Studio in Cucamonga im San Bernardino County im Großraum Los Angeles allerlei Songs, die er für andere geschrieben hatte, auf. Baby Ray & The Ferns sangen „World’s Greatest Sinner“ und The Penguins „Memories of El Monte“. Was man damals, in den frühen Sechzigern, so sang und spielte. Doo-Wop, Surfmusik, Garagenrock und Rock’n’Roll. Erst 34 Jahre später, 1998, brachte eine Plattenfirma Zappas früheste Aufnahmen zusammen und heraus. (mp)

David Bowie: „David Bowie“ (1967)

David Bowie hat in seiner Karriere schon viele erfolgreiche Rollen gespielt, auf seinem Debütalbum allerdings scheitert er daran, sich an zu vielen Rollen auf einmal zu versuchen. Statt einer klaren künstlerischen Identität präsentierte der 20-jährige David Jones, der gerade seinen Künstlernamen geändert hatte, um nicht mit dem Sänger der Monkees verwechselt zu werden, ein Kaleidoskop aus Music Hall, Vaudeville, Folk und Barock-Pop.

Kaum ein Song bringt diese stilistische Orientierungslosigkeit besser auf den Punkt als „Rubber Band“. Statt Gitarrenrock dominieren Bläser und verspielte Arrangements, ein Klang, der mit dem späteren David Bowie kaum etwas gemein haben wird. Bowie singt über sonderbare Figuren, erzählt kleine Geschichten und klingt stellenweise eher wie ein exzentrischer Theaterdarsteller als wie der spätere Schöpfer von „Heroes“ oder „Life on Mars?“ Das Album blieb ein Flop. Erst zwei Jahre später gelingt ihm mit „Space Oddity“ und einer klaren künstlerischen Vision dann aber der Durchbruch. (ds)

Neil Young: „Neil Young“ (1968)

Als Neil Young 1968 sein erstes Soloalbum veröffentlichte, lag Buffalo Springfield bereits in Trümmern und Young, der noch immer mit seiner hohen Stimme haderte, stand vor der Herausforderung, sich als Solokünstler neu zu erfinden. Das selbstbetitelte Debüt zeigt einen Musiker auf der Suche nach seinem eigenen Sound.

Die großartigen Songs sind schon da, etwa in Form von „The Loner“ oder „I've Been Waiting for You“. Mit „Last Train To Tulsa“ schreibt Young eine ultrafrühe Blaupause für die Keimzelle des Seattle-Grunge (man vergleiche den Song bitte mit einmal mit „Chloe Dancer“ von Mother Love Bone und denke sich die Anfänge von Grunge dann noch einmal neu).

Doch statt der rauen Gitarren, für die Young später berühmt wurde, dominieren Streicher, Bläser und opulente Arrangements. Erst ein Jahr später fand er mit „Everybody Knows This Is Nowhere“ und den Jungs von Crazy Horse jenen rohen Klang, der ihn zu einer der prägendsten Figuren der Rockgeschichte machte. (ds)

Deep Purple: „Shades of Deep Purple“ (1968)

Ritchie Blackmore hat der Menschheit nicht nur das berühmteste Gitarrenriff geschenkt. „Smoke on the Water“ wurde auch für seine Band zur dröhnenden Signatur. Sobald jemand Deep Purple sagt, summt jemand die vier Töne als eine Art Urmotiv des Heavy Metal. Danach klang es anfangs kaum. „Shades of Deep Purple“ war um einen Popsong arrangiert worden, um „Hush“, geschrieben und ursprünglich aufgenommen von Joe South.

Wer allerdings genauer hinhörte, konnte bereits erkennen, wohin es Deep Purple führen würde: Sie verlangsamten „Help!“ von den Beatles und verwandelten es in ein gravitätisches Stück progressiver Rockmusik. „Hey Joe“, damals berühmt durch Jimi Hendrix, war schon eine Blaupause für spätere schwere Opera wie „Highway Star“ und „Child in Time“. Und für „Smoke on the Water“ selbstverständlich auch. (mp)

The Sallyangie: „Children of the Sun“ (1969)

Was 1973 etwas überhört und unterschätzt wurde, als „Tubular Bells“ erschien, Mike Oldfields frühes Meisterwerk, war seine volkstümliche Sozialisation. Mit seiner großen Schwester Sally debütierte er als 16-Jähriger bereits mit Folksongs und als „Children of the Sun“. The Sallyangie nannten sich die beiden Sonnenkinder. Unterstützt wurden sie auf der Bühne und bei ihren Aufnahmen von einem Schlagwerker sowie einem Flötisten.

Sally Oldfield sang, Mike sang und zeigte, was er schon auf der Gitarre konnte. Ihre Lieder handelten vom Sinn des Lebens, von Natur und Heilung – worüber man eben 1969 sang, wenn man mit langen Haaren und noch längeren Gewändern auftrat. Anschließend verdingte sich Mike Oldfield als Dienstleister auf verschiedenen Instrumenten, bevor er sich mit all diesen Instrumenten in ein Bauernhaus zurückzog, „Tubular Bells“ allein einspielte und als Wunderkind der progressiven Popmusik herumgereicht wurde. (mp)

Slade: „Beginnings“ (1969)

Bevor Slade für Hooligans und Skinheads spielten, machten sie, was junge Bands in ihren Gründerzeiten immer tun: Sie gaben sich einen albernen Namen (Ambrose Slade) und coverten, was sie so mochten (alles). Auf „Beginnings“ sprangen Slade von Steppenwolf zu Marvin Gaye und von den Beatles zu Frank Zappa.

Ein Jahr später, 1970, zeigten sie sich auf dem zweiten Album „Play It Loud“, als wäre es ihr erstes, mit zu ihren Hörern passenden Frisuren und entsprechender Garderobe. Seither spielen sie für ihren Heimatclub, die Wolverhampton Wanderers, und eigentlich für alle, für die Fußball mehr als Sport, Geschäft und Unterhaltung ist, eine Kultur und Lebensweise. (mp)

Kraftwerk: „Kraftwerk“ (1970)

Eingeweihte wissen selbstverständlich, dass Ralf Hütter und Florian Schneider nicht erst 1974 mit dem Album „Autobahn“ damit begannen, die Musik weltweit zu revolutionieren. Allerdings fingen sie 1970 in den Kling-Klang-Studios mit einem damals konventionelleren Instrumentarium an. Hütter spielte Eltroorgel und die einstimmige Tubon, ein Gerät aus Skandinavien. Schneider spielte Geige und blies Flöte. Für ihr erstes Album „Kraftwerk“ luden sie Klaus Dinger und Andreas Hohmann ein, als Schlagzeuger.

Am Mischpult wachte Conny Plank darüber, dass die Improvisationen zu Musik gerannen. „Kraftwerk 2“ erweiterte das Arsenal um Bass, Harmonika, Rhythmusmaschine, Glocken (Hütter) und Gitarre (Schneider). „Ralf und Florian“ von 1973 steuerte bereits mit Synthesizer und Vocoder auf die menschlich-maschinellen Sounds zu, mit denen Kraftwerk zu Kraftwerk wurden und den klassischen Krautrock hinter sich ließen. Ein Jahr später mit ihrer Satire auf das „Fun Fun Fun“ der Beach Boys, ihrer Hymne auf die deutsche Autobahn. (mp)

Udo Lindenberg: „Lindenberg“ (1971)

Als Udo Lindenberg 1971 sein Debütalbum aufnahm, war Udo Lindenberg noch nicht der Udo Lindenberg, der sich heute in das kollektive Kulturgedächtnis eingeprägt hat. Lindenberg war noch ein gefragter Schlagzeuger der deutschen Jazzrock-Szene, der mit Musikern wie Klaus Doldinger gespielt und auf dem Debüt von Passport getrommelt hatte. Lindenberg träumte von einer internationalen Karriere und sang ausschließlich auf Englisch.

„Lindenberg“ ist eine Platte, die tief im Jazzrock und Blues verwurzelt ist, mit langen Instrumentalpassagen, Soul-Einflüssen und Bläsersätzen. Man hört darauf den versierten Schlagzeuger und Studiomusiker, nicht den lakonischen Geschichtenerzähler, der später mit seiner udoesken Schnodder-Sprache den Deutschrock prägen sollte. Die Songs orientieren sich deutlich stärker am internationalen Rock der späten Sechziger und frühen Siebziger als an einer eigenen deutschen Identität.

Das Album blieb jedoch nahezu unbeachtet. Erst das Scheitern dieses Versuchs brachte ihn auf die Idee, fortan auf Deutsch zu schreiben – ein Schritt, der wenige Jahre später mit „Alles klar auf der Andrea Doria“ die deutsche Rockmusik verändern sollte. (ds)

Michael Jackson „Got To Be There“ (1972)

Als Michael Jackson 1972 sein erstes Soloalbum „Got to Be There“ veröffentlichte, war er gerade 14 Jahre alt und längst als Leadsänger von The Jackson 5 berühmt. Das Album sollte zeigen, dass er auch ohne seine Brüder bestehen konnte. Musikalisch blieb es jedoch noch tief im Motown-Sound verwurzelt, war geprägt von Soul, sanften Balladen und Coverversionen.

Zwar erreichte die Single „Got to Be There“ die US-Top-Ten, doch im Schatten von Meisterwerken wie „Off the Wall“, „Thriller“ oder „Bad“, mit denen er sich in den 1980er-Jahren zum King of Pop krönte, ist das Debüt heute fast vergessen. Das außergewöhnliche Talent ist auf „Gott o Be There“ bereits unüberhörbar, doch Michael Jackson hat sich noch nicht als Michael Jackson gefunden, er ist noch fest im engen Korsett der Motown-Logik verankert. (ds)

ABBA: „Ring Ring“ (1973)

Ihr „Waterloo“, die Nacht, in der sie Schweden weltberühmt machten, erlebten ABBA beim Grand Prix Eurovision de la Chanson im Frühling 1974 im britischen Seebad Brighton. So hieß auch ihr zweites Album. Ihr Debüt „Ring Ring“ veröffentlichten sie im Jahr zuvor. Eigentlich gab es die Band 1973 noch gar nicht. Benny und Björn schrieben für andere Sänger Songs. Für Agnetha und Anni-Frid gab es Karrierepläne als Solistinnen. ABBA nannten sich noch Björn Benny & Agnetha Frida. Auch die Männer sangen auf „Ring Ring“ noch mit, einem stilistisch wilden Album zwischen Rock’n’Roll und Schlager.

Offenbar trauten die Schweden auch noch nicht durchweg dem Englischen als Weltsprache der Popmusik. Als „Ring, ring (bara du slog en signal)“ sangen sie ihren Titelsong auf Schwedisch. Auf Deutsch ging er so: „Ich bin ganz allein zu Haus/ Sowas hält doch keiner aus/ Deine Eifersucht, die ist doch blöd/ Und albern und dumm nur/ Baby, treib es nicht zu weit/ Immer wieder machst du Streit/ Kannst du mir mal sagen, du/ Wieso, weshalb und warum nur/ Auch bei mir reißt mal der Draht/ Häng dich an den Apparat/ Ring ring/ Vierzehn-null-sieben-null-drei.“ (mp)

Tina Turner: „Tina Turns the Country On!“ (1974)

Nach der Trennung von Ike Turner stand Tina Turner Anfang der 1980er-Jahre vor dem beruflichen Aus. Die gemeinsame Erfolgsserie war vorbei, Plattenfirmen hielten sie für zu alt und kaum jemand glaubte noch an ein Comeback. In dieser Situation veröffentlichte sie 1974 mit „Tina Turns the Country On!“ ihr erstes Soloalbum. Statt Rock oder Soul setzte Turner überraschend auf Country.

Und die Plattenfirmen behielten – zumindest vorerst – recht. Das Album blieb kommerziell erfolglos. Heute ist es nahezu vergessen, auch weil Tina Turner erst zehn Jahre und drei Alben später mit „Private Dancer“ zur globalen Ikone wurde. Rückblickend wirkt ihr Debüt wie das Dokument einer Künstlerin, die noch nach einem Neuanfang suchte, ihren eigentlichen Sound aber erst viel später fand. (ds)

Herbert Grönemeyer: „Grönemeyer“ (1979)

Als er vor zehn Jahren bereits seine Lebenswerkschau „Alles“ auf den Markt warf, war darin gar nicht alles enthalten. „Grönemeyer“ fehlte, sein Debüt. Mit „Zwo“ von 1980 fing es an. Warum hat Herbert Grönemeyer „Grönemeyer“ immer unterschlagen? Das „Rockmusiklexikon“ zitierte ihn dazu wie folgt: „Ein ziemlicher Kompromiss und konsequent höchstens in seiner Schrillheit.“

So schlimm war es aber nicht, die Stücke waren stellenweise sogar schön. Die Flügelläufe gingen Grönemeyer leicht und locker von den Händen. Er besang den Morgen vor der Arbeit: „Guten Morgen, Morgen, hast du gut geschlafen?/ Mein Mädchen wartet auf ihr Frühstück/ Ich hol Milch und frische Brötchen/ Guten Morgen, noch geht’s mir gut.“ Der Text stammte von ihm, ein zweites Lied, „Ich bin ein Spieler“, ebenfalls.

Für alles Weitere hat sein Prozent gesorgt: Horst-Herbert Krause, ein versierter Schlagerautor. Über ihn kamen die Musiker ins Studio, unter ihnen Ingfried Hoffmann, Organist bei Peter Thomas und Klaus Doldinger. Die Stücke schwangen hin und her, von Soul zu Country und von der Klavierballade zum Progrock wie in „Pompeji“ als Schwanengesang der Menschheit. Wenn man es genau nimmt, war sein allererstes Album aber auch nicht „Grönemeyer“. 1978 sang er mit dem Ocean Orchestra von Dieter Flimm für einen Film von Jürgen Flimm mit ihm, mit Grönemeyer, in der Hauptrolle, schon eine ganze Platte ein. (mp)

DAF: „Ein Produkt der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft“ (1979)

Ein Jahr, bevor Robert Görl und Gabi Delgado-López von den „Kebabträumen“ der Band Mittagspause sangen, zwei Jahre, bevor sie ihren „Mussolini“ tanzten, erschien „Ein Produkt der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft“. Weil Görl und sein Sänger sich verzankt hatten, ohne Delgado und ohne Gesang. Die 22 Stücke, von 19 Sekunden bis zu dreieinhalb Minuten Länge, trugen keine Titel und waren durchnummeriert in poesiefreiem Elektropunk. Delgado kam wieder zurück. DAF wechselten zu Mute Records nach London, nahmen dort die „Kleinen und die Bösen“ auf und wuchsen über Düsseldorf hinaus. (mp)

Eminem: „Infinite“ (1996)

Einige Jahre bevor Eminem zur wohl provokantesten Figur der jüngeren HipHop-Geschichte wurde, war Marshall Mathers ein nahezu unbekannter Rapper aus Detroit, der verzweifelt versuchte, sich in der lokalen Szene einen Namen zu machen. Er lebte in prekären Verhältnissen, arbeitete zeitweise in einer Fabrik und finanzierte sein erstes Album „Infinite“ weitgehend selbst. Rund 1000 Exemplare wurden gepresst, sie verkauften sich aber nur schleppend und das Album verschwand nahezu unbeachtet.

Wer „Infinite“ heute hört, erkennt Eminem kaum wieder. Statt der bissigen, zynischen, oft schockierenden Kunstfigur Slim Shady präsentiert sich ein technisch versierter Rapper, der stark von der damaligen Ostküsten-Szene beeinflusst ist. Die Texte sind ernsthafter, introspektiver und deutlich weniger provokant. Kritiker und Kollegen warfen ihm damals sogar vor, zu sehr nach Nas oder AZ zu klingen.

Erst das Scheitern von „Infinite“ brachte Marshall Mathers dazu, seine bis dahin größte Stärke konsequent auszuspielen: den schwarzen Humor, die Radikalität und das Alter Ego Slim Shady. (ds)

Sleaford Mods: „The Mekon“ (2008)

2013 feierten die Älteren die Sleaford Mods: Es gab sie noch, die guten Bands wie früher. „Austerity Dogs“ war Punk und Rap in einem, über Kumpel, mit denen man pinkeln ging, Disco als Ärgernis und Hymnen wie „Bored to be Wild“. Es war nicht einmal eine Band, sondern ein Duo: Jason Williamson schimpfte auf alles und auf jeden, Andrew Fern ließ dazu aus dem Laptop seine vorgefertigte Musik bollern und schwenkte eine Bierdose.

Die Sleaford Mods aber hatten bereits eine Karriere hinter sich: 2007 fing es an in Nottingham mit „Sleaford Mods“, dem heute als verschollen geltenden Debüt. Darauf folgte „The Mekons“. Williamson schimpfte bereits. An seiner Seite simulierte Simon Parfrement am Heimcomputer eine Band mit Schlagzeug, Bässen und Gitarren. Zwei Mods aus der Gosse, die „Boris the Spider“ von The Who in ein Garagenstück verwandelten, und in der Popmusik der Nullerjahre randalierten. (mp)

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