Hauptnachrichten

Mordfall Fabian: „Scheiße, nicht, dass ich den Brandbeschleuniger noch im Auto hab“

Mordfall Fabian: „Scheiße, nicht, dass ich den Brandbeschleuniger noch im Auto hab“
TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) – Auf einem Holzbrett in einem Carport steht zwischen anderen Behältern eine schwarze 1-Liter-Flasche Grillanzünder. Sie ist geöffnet, mehr als die Hälfte der Flüssigkeit fehlt. Laut Gutachter genug, um die Leiche des kleinen Fabian (8) aus Güstrow nach dem Mord an ihm in Brand zu setzen. Die Flasche gehört Gina H. (30). Sie ist angeklagt, Fabian am 10. Oktober 2025 aus dem Haus gelockt und aus Eifersucht mit sechs Messerstichen getötet zu haben.

Die entsetzlichen Bilder des verbrannten Leichnams wurden am 9. Prozesstag erneut vor dem Landgericht Rostock gezeigt. Auffällig: Fabians Gesicht blieb von den Flammen beinahe verschont.

Der Rest der Leiche ist fast vollständig verbrannt. „600 Milliliter Grillanzünder würden reichen, um diesen Effekt zu erzielen“, erklärt ein Brandermittler (67) vor Gericht. Am Tatort konnte er zunächst keinen Brandbeschleuniger feststellen. Schließlich handele es sich um eine „leicht flüchtige“ Flüssigkeit. Doch Untersuchungen von Fabians Schuhen, seinem Ärmelbündchen und Erdproben bestätigten den schrecklichen Verdacht: Die Leiche war mit Brandbeschleuniger übergossen worden.

Auch Grillanzünder von Nachbar sichergestellt

Die Ermittler stellten bei der Angeklagten verschiedene Gegenstände sicher: Darunter mehrere Metallkanister, drei Paar PAMMYS-Sportschuhe – und eine Plastikflasche mit JA!-Grillanzünder (2,79 Euro bei REWE). Auch bei ihrem Nachbarn Olaf K., den die Angeklagte nach dem Mord zur Leiche geführt haben soll, stellte die Polizei mehrere Behälter sicher. Darunter auch eine Flasche Fire-Lion-Grillanzünder.

„Der JA!-Grillanzünder ist naheliegender als der andere“, sagt ein Sachverständiger für forensische Chemie und Physik (38). Er passe besser zu den gefundenen Spuren. „So eine Flüssigkeit kommt für die Verursachung der Spuren in Betracht.“

Gina H. sprach in Telefonaten über Grillanzünder

Auch die Angeklagte machte sich vor ihrer Festnahme anscheinend über ihren Grillanzünder Sorgen. Am 17. Oktober 2025 telefoniert sie mit ihrem Nachbarn Olaf K. Das Gespräch wurde von der Polizei mitgeschnitten und jetzt vor Gericht abgespielt. „Ich bin diejenige, die am Arsch ist, weil sie mir irgendeinen Scheiß anhängen wollen. Weil sie von ihm irgendwas im Auto gefunden haben … Dann fängt's an mit der Brandbeschleunigerflasche, die ich irgendwo mal im Auto liegen hatte. Ich weiß nicht, ob die noch da liegt, ich hoffe nicht“, sagt Gina H. Einen Tag später telefoniert sie mit einem Bekannten. „Ich bin mir keiner Schuld bewusst, ich habe nichts getan … Scheiße, nicht, dass ich den Brandbeschleuniger noch im Auto hab. Ich bete dafür, dass der nicht im Auto ist.“

Kein Brandbeschleuniger an Kleidung gefunden

Staatsanwalt Oliver Schley hält den Zeitpunkt ihrer Äußerungen für verdächtig: „Als der breiten Öffentlichkeit noch nicht bekannt war, dass der Leichnam verbrannt war, ging es in den Gesprächen der Angeklagten um Grillanzünder.“ Ihr Anwalt Andreas Ohm widerspricht: „Auch wenn das mit dem Brand möglicherweise nicht bekannt war: Zumindest war es der Angeklagten bekannt. Sie hat Fabian gefunden.“ Die damalige Ex-Freundin von Fabians Vater hatte am 14. Oktober 2025 die Leiche angeblich zufällig beim Spazierengehen mit einer Freundin entdeckt – und die Polizei gerufen.

An Gina H.s Kleidung fanden die Ermittler keinen Brandbeschleuniger. Das ist laut Gutachter aber kein entscheidender Beweis. „Ich gehe davon aus, dass ein Waschgang unter üblichen Bedingungen ausreicht“, sagt der Sachverständige. Grillanzünder ist eine „leicht flüchtige“ Flüssigkeit.

Vielleicht verpasst