Unter Jürgen Klopp (59) werden die DFB-Flügel so jung wie noch nie. Für die Länderspiele nominierte der Bundestrainer in seinem zweiten Lehrgang sechs Spieler für die drei Offensivpositionen hinter dem Sturm, von denen Derry Scherhant mit gerade mal 23 Jahren der älteste ist. Und mit Wael Mohya (17) einer der jüngsten Spieler, die je für die Nationalmannschaft nominiert worden sind.
Mohya musste sich für ein Land entscheiden
Mit seiner Gala-Leistung in Stuttgart (3:2) hat sich das Juwel von Borussia Mönchengladbach endgültig in den deutschlandweiten Fokus gespielt. Zuvor hatte Mohya schon in Gladbach aufgetrumpft und auch schon sein Debüt in der U21-Nationalmannschaft gefeiert – doch an diesem Abend sah das ganze Land, wie gut der Teenager mit dem Wuschelkopf ist, als er sein Team vor dem Start-Negativrekord und der siebten Pleite in der Bundesliga bewahrte. Da wusste auch Klopp: Dieser Mohya muss für Deutschland spielen!
Denn mit seiner Nominierung endet auch eine Hängepartie, die für den DFB hätte böse enden können, wenn der Bundestrainer zu lange gewartet hätte. Als Sohn marokkanischer Eltern hatte Mohya die Wahl zwischen Deutschland und Marokko, nach der gelungenen EM-Quali mit der deutschen U21 sagte er zu BILD noch: „Die U21 war der perfekte Schritt für mich, aber natürlich habe ich das Ziel, irgendwann A-Nationalspieler zu werden. Von daher werde ich weiter Gas geben, mein Fokus liegt jetzt aber erstmal voll auf Gladbach, dass wir die Situation da wieder in den Griff kriegen. Und dann werden wir sehen, was in der Zukunft passiert.“
Sobald Klopp Mohya am Freitag in Serbien (20.45 Uhr) oder am Montag gegen die Niederlande (20.45 Uhr) bringt, wird er nicht nur der drittjüngste Nationalspieler der DFB-Geschichte, sondern dann ist er auch beim DFB festgespielt. Dabei hatten Marokko-Coach Walid Regragui (51) und der Verband nach BILD-Informationen vehement um den Gladbach-Star gekämpft – nun scheint er sich aber endgültig für das Land entschieden zu haben, in dem er am 31. Dezember 2008 geboren wurde.
Gladbach hätte ihn fast ablösefrei gehen lassen
In Mettmann kam Mohya zur Welt, aufgewachsen ist er in Mönchengladbach, sein erster Fußballklub war der SV Straelen. Von dort wechselte der Bald-Nationalspieler im Alter von sieben Jahren in die Borussia-Jugend, am 13. Dezember 2025 feierte er sein Bundesliga-Debüt bei der 1:3-Pleite in Wolfsburg. Doch beinahe wäre es dazu nicht gekommen. Im Sommer zuvor war Mohya schon weg aus Gladbach. Sein Vertrag im Fohlenstall lief am 30. Juni 2025 aus und der Spieler war einige Tage ohne Kontrakt, weil die damaligen Verantwortlichen voll auf Kilian Sauck (19) setzten, der mittlerweile bei Drittligist Fortuna Düsseldorf ohne Chance ist. Borussia-CEO Stefan Stegemann (62) bewahrte den Klub vor einem Riesen-Irrtum, nachdem er zwei Wochen zuvor zum Mohya-Fan geworden war. In den Finalspielen der U17-Nachwuchsliga hatte er erst den FC Bayern mit Lennart Karl (18) mit einem Doppelpack abgeschossen, dann glänzte er im Endspiel gegen RB Leipzig (3:1) und traf. Hätte Stegemann diese Eindrücke nicht gesammelt, hätte Gladbach einen Multi-Millionen-Fehler begangen – denn keine 1,5 Jahre später ist er bereits 17 Millionen Euro wert, Tendenz stark steigend.
Denn um Mohya ist ein Hype entstanden, er steht beim FC Bayern und nahezu allen Top-Klubs in Europa mindestens unter intensiver Beobachtung. Sein Umgang damit laut Gladbach-Trainer Alexander Blessin (53): „Ich habe nicht das Gefühl, dass er jetzt eine Bewusstseins- oder Wesensveränderung durchlebt. Er ist einfach der Wael.“ Mohya zeigt sich also komplett unbeeindruckt davon, dass sein Name jetzt fast täglich in den Schlagzeilen steht.
Dabei ist es erst ein paar Monate her, da arbeitete der Bundesliga-Star noch in einer Grundschule, betreute da die Kinder in der Offenen Ganztagsschule. Mohya im Januar: „Meine Eltern und ich haben uns dazu entschieden, dass ich ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren werde. Im Zuge dieses FSJs, mit dem ich im Sommer begonnen habe, kann ich mein Fach-Abitur erwerben.“ Wie alle Entscheidungen sprach er das mit seinen Eltern ab, zu denen er ein sehr enges Verhältnis (seine Mutter reiste im Sommer mit ins Trainingslager) hat und die neben der XXL-Berateragentur CAA Stellar auch seine sportliche Karriere managen. Im Interview mit BILD am Sonntag verriet Mohya: „Ich weiß tatsächlich nicht mal, was ich bei Gladbach verdiene. Meine Eltern machen das schon alles. Ich bekomme ein monatliches Taschengeld, mit dem ich prima klarkomme.“
Mittlerweile ist aber auch dem Youngster klar: Bald wird er deutlich mehr verdienen. Aktuell bleibt er inklusive Prämien unter der Millionen-Grenze, doch sein Vertrag in Gladbach läuft nur noch bis 2028 und soll verlängert werden – mit deutlichem Gehaltssprung. Auch da zeigt sich aber die Bescheidenheit der Familie Mohya, die keine Mega-Forderungen hat. Sollte er sich für eine Borussia-Zukunft entscheiden, wird er um die zwei Mio. Euro kassieren. Weil alle wissen, dass das nur ein Zwischenschritt ist, ehe Mohya zu einem ganz großen Klub geht und dort das ganz große Geld verdient. Aktuell geht es ihm darum, „seiner“ Borussia aus der Not zu helfen und sie erst (für viel Geld) zu verlassen, wenn es dem Verein besser geht.